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Versunkene Wortschätze

Der Überraschungsblogartikel – Eine Exkursion in den Jurassic-Park der Worte

Meine Huldigung an die Wandlungsfähigkeit der deutschen Sprache.

 

Die deutsche Sprache sollte sanft und ehrfurchtsvoll zu den toten Sprachen abgelegt werden, denn nur die Toten haben genügend Zeit, um sie zu lernen.

Mark Twain

Schreiben
Wörter wandeln sich

 

Vom Aussterben bedrohte Wörter und versunkene Wortschätze

 

Vom Aussterben bedrohte Tier- oder Pflanzenarten werden in die Roten Listen aufgenommen. Es gibt auch eine Liste der aussterbenden Wörter, die ist sehr lang und jeden Tag kommen ein paar neue hinzu. Was aber passiert mit den aussterbenden Worten wie Sommerfrische, Adamskostüm, Luftikuss und Tausendsassa? Bekommen sie Artenschutz oder haben sie eine Lobby? Ja, es gibt immer mehr Sammler und Jäger, wie Bodo Mrozek, Lexikon der bedrohten Wörter https://amzn.to/2GstX7N, Petra Cnyrim mit gleich zwei Werken: Das Buch der fast vergessenen Wörter https://amzn.to/2Y55AYY und Das Buch der leider vergessenen Wörter https://amzn.to/2Y2UzHs. Auch Herr Duden mischt mit: Versunkene Wortschätze: Wörter die uns fehlen werden https://amzn.to/2SGhYZd. Es gibt sogar einen Wettbewerb „Das bedrohte Wort“. Der SPIEGEL-ONLINE-Kolumnist Bodo Mrozek war 2007 Jury-Sprecher, als „Kleinod“ zu dem schönsten bedrohten Wort gekürt wurde. Auf Platz zwei bis zehn gelangten folgende Begriffe: blümerant, Dreikäsehoch, Labsal, bauchpinseln, Augenstern, fernmündlich, Lichtspielhaus, hold, Schlüpfer. 

Bodo Mrozek unterteilt die aussterbenden Wörter in zwei Arten. Erstens: Wörter, die wir vergessen, weil sie nur alte oder sehr belesene Menschen kennen. Beispiele: Malaise, Galoschen, Privatier und Amouren. Zweitens sind Wörter bedroht, die einfach deshalb an Bedeutung verlieren, weil die Dinge, die sie beschreiben, selbst aussterben. Beispiele sind Wählscheibe, Bandsalat, Müllschlucker und Paternoster.

Manche Worte sterben aus guten Gründen aus, weil sie entweder sexistisch (Fräulein) oder rassistisch (Negerkuß, Mohrenkopf) sind.

Am rasantesten ändert sich die Jugendsprache. In den sozialen Netzwerken wie Facebook, Twitter und Co werden

Sprachverwirrung
Wortsalat wird Sprachverwirrung

krude Sätze, wie “Was ist das für 1 Leben vong Sinn her” oder Ausdrücke und Wörter wie “bashen” (besiegen), “zugetackert” (für viele Piercings haben), “Beef” (für Streit, Kampf) verwendet. Aber auch kurze, grammatikalisch nicht korrekt verwendete Sätze wie “Hast du Auto?” werden bei deutschen Muttersprachlern immer beliebter. Als Zeichen von Individualität und Gruppen-Identität kreieren Jugendliche seit jeher eigene Ausdrucksformen und Sprechweisen. Häufig werden neue Wörter für bekannte Dinge verwendet. Beispielsweise waren “wuchtig”, “spitz”, “dufte” und “super” in den 50ern beliebte Alternativen für “gut” oder “prima”, in den 60ern wurde daraus “bedient” und “steil”, in den 70ern “geil”, “astrein”, in den 80ern “cool”, “abgefahren”, in den 90ern “fett”, zur Jahrtausendwende lösten “tierisch” und “mega”, “irre” und “atom” ab. Heute verwendet man dafür das Wort “lit”, zum Beispiel in “Die Party war wirklich lit.” Jede Generation entwickelt eine neue und eigene Sprache. Eine kleine Ausnahme ist der Teenagerjargon aus den 60ern, der langfristig zur gängigen Umgangssprache der Deutschen wurde. Viele dieser Jugendwörter haben überlebt: “Es läuft” abgewandelt zu “Läuft bei dir” bzw. „Läuft’s“ oder “Du hast es drauf” und “cool”.

 

Im nächsten Blogartikel, am Sonntag, 04.08.2019, schreibe ich über „Innere Blockaden“ und die Möglichkeiten sie zu lösen.

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